
Wofür der Text da ist
Fotos entscheiden, ob jemand dein Profil öffnet. Der Text entscheidet, ob jemand dir schreibt, und vor allem, wer. Er ist die einzige Stelle, an der du sagen kannst, was du suchst und wie dein Leben aussieht. Wer ihn leer lässt oder mit einem Spruch füllt, überlässt diese Entscheidung dem Zufall.
Ein guter Profiltext hat zwei Aufgaben. Er zeigt die Richtung, also dass du etwas Ernstes suchst. Und er gibt dem Gegenüber etwas in die Hand, an das es anknüpfen kann. Ein Text, der nur eines davon leistet, bleibt halb.
Was er nicht leisten muss: dich vollständig beschreiben. Niemand liest gern einen Lebenslauf, und niemand verliebt sich in eine Aufzählung. Es reicht, wenn jemand nach dem Lesen denkt: Mit diesem Menschen würde ich gern einen Kaffee trinken, und ich weiß schon, worüber wir reden könnten.
Die Absicht in einem ruhigen Satz
Die Absicht gehört weit nach oben, in einen einzigen Satz. ‚Ich suche eine feste Beziehung und nehme mir dafür Zeit‘ ist genug. Er sagt, was du willst, und klingt dabei nicht gehetzt. Wer weiterliest, weiß von Anfang an, in welchem Rahmen alles Weitere steht.
Formuliere, was du suchst, nicht, was du nicht willst. ‚Keine ONS, keine Spielchen, keine Brieffreundschaften‘ zählt nur auf, was schiefgelaufen ist. Der Leser erfährt daraus wenig über dich und viel über deine Enttäuschungen. Ein einziger Satz über das, was du dir wünschst, ersetzt jede dieser Listen.
Wenn die App ein eigenes Feld für die Absicht hat, nutze es, und wiederhole es im Text nicht wortgleich. Das Feld ist für Filter da, der Satz für Menschen. Im Text darf die Absicht persönlicher klingen, etwa: ‚Ich bin an einem Punkt, an dem ich jemanden an meiner Seite haben möchte, auch für die langweiligen Dienstage.‘
Zeigen statt behaupten
Die meisten Profiltexte bestehen aus Eigenschaften: ehrlich, humorvoll, loyal, spontan, familienverbunden. Das Problem ist nicht, dass es nicht stimmt. Das Problem ist, dass es fast jeder schreibt. Eine Eigenschaft, die in vielen Profilen steht, unterscheidet dich von niemandem.
Ersetze jede Eigenschaft durch eine kleine Szene. Statt ‚familienverbunden‘: ‚Sonntags koche ich mit meiner Schwester, und meistens streiten wir, wer zu viel Knoblauch nimmt.‘ Statt ‚sportlich‘: ‚Ich laufe morgens vor der Arbeit, auch im November, und rede mir jedes Mal ein, dass es Spaß macht.‘ Der Leser sieht dich dann, statt dir nur zu glauben.
Szenen haben noch einen Vorteil: Sie zeigen Werte, ohne sie auszusprechen. Wer erzählt, dass er jeden Mittwoch seine Großmutter anruft, muss nicht schreiben, dass ihm Familie wichtig ist. Und wer liest, kann selbst entscheiden, ob ihm das gefällt.
Anknüpfungspunkte lassen
Ein guter Text enthält Stellen, an denen jemand einhaken kann. Das sind konkrete Dinge: ein Buch, das du zuletzt verschenkt hast, ein Ort, an den du immer wieder fährst, eine Gewohnheit, über die deine Freunde lachen. Je konkreter die Stelle, desto leichter fällt die erste Nachricht.
Auf manchen Apps ist der Text buchstäblich die Tür. Bei Hinge reagiert man auf Antworten zu kurzen Fragen im Profil. Bei embla, das noch vor seinem Start im App Store steht, entsteht Kontakt nur über einen konkreten Satz oder ein konkretes Foto der anderen Person. Wo das so ist, bekommt nur Nachrichten, wer auch Sätze anbietet, auf die man antworten kann.
Prüfe deinen Text mit einer einfachen Frage: Was könnte mir jemand, der mich nicht kennt, nach dem Lesen schreiben? Wenn dir nur ‚Hey, wie geht’s?‘ einfällt, fehlt ein Anknüpfungspunkt. Wenn dir drei verschiedene Fragen einfallen, ist der Text gut.
Was nicht hineingehört
Manches wirkt im Kopf harmlos und im Profil abschreckend. Dazu gehören Forderungen an das Aussehen anderer, Mindestgrößen im Fließtext und Sätze wie ‚Wenn du nicht schreibst, brauchst du gar nicht erst zu liken‘. Sie klingen nach Türsteher, nicht nach jemandem, den man kennenlernen möchte.
Auch die letzte Beziehung hat im Profil nichts verloren, weder als Warnung noch als Andeutung. ‚Nach schlechten Erfahrungen suche ich endlich jemand Ehrlichen‘ erzählt mehr über die Vergangenheit als über dich. Und Ironie über Dating-Apps, etwa ‚Mal sehen, was hier so geht‘, schwächt genau den Satz, mit dem du eben noch deine Absicht erklärt hast.
Vorsicht auch beim Lebenslauf. Beruf, Ausbildung und Wohnort darfst du nennen, aber ein Absatz über Karriereschritte liest sich wie eine Bewerbung. Wenn du über deine Arbeit schreibst, dann darüber, was sie dir bedeutet oder was du daran magst. Das ist interessanter als der Titel.
Die richtige Länge
Zu kurz ist ein Text, aus dem man nichts erfährt. Zu lang ist ein Text, den man auf dem Handy nicht zu Ende liest. Dazwischen liegt viel Raum, und für die meisten Profile reichen ein paar Sätze pro Feld. Wichtiger als die Zahl der Wörter ist, dass jeder Satz etwas Neues sagt.
Wenn die App mehrere kurze Felder oder Fragen anbietet, nutze sie statt eines langen Blocks. Kleine Abschnitte lesen sich leichter und bieten mehr Stellen zum Antworten. Ein Feld für die Absicht, eins für den Alltag und eins für etwas, das dich zum Lachen bringt, ergeben schon ein rundes Bild.
Streiche beim Überarbeiten alles, was genauso in einem fremden Profil stehen könnte. ‚Ich bin offen für Neues‘, ‚Ich liebe es zu reisen‘, ‚Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee‘. Was danach übrig bleibt, ist meistens kürzer und fast immer besser.
Schreib so, wie du sprichst
Ein Profiltext soll klingen wie du an einem guten Abend, nicht wie ein Anschreiben. Lies ihn laut vor. Wenn du an einer Stelle stockst oder dich ein bisschen schämst, ist es vermutlich nicht deine Sprache. Ein Satz, den du so nie sagen würdest, wird dich beim ersten Treffen nicht vertreten.
Humor ist willkommen, wenn er deiner ist. Ein trockener Satz über deine Kochkünste sagt mehr als ein Witz, den man schon in vielen Profilen gelesen hat. Wichtig ist nur, dass der Humor die Absicht nicht verdeckt. Wer lacht, soll trotzdem wissen, dass du es ernst meinst.
Bleib bei der Ich-Form und bei der Gegenwart. ‚Ich koche gern für Freunde‘ ist lebendiger als ‚Man sagt mir nach, dass ich ganz gut koche‘. Und ‚Ich suche‘ wirkt klarer als ‚Ich würde eventuell gern jemanden finden‘. Vorsichtige Formulierungen schützen dich vor nichts, sie machen deinen Text nur leiser.
Gegenlesen und nachschärfen
Gib deinen Text einer Freundin oder einem Freund und stell zwei Fragen: Was weißt du jetzt über mich, das du vorher nicht wusstest? Und was glaubst du, suche ich? Wenn die Antworten nicht zu dem passen, was du sagen wolltest, liegt es am Text, nicht am Leser.
Nach ein paar Wochen lohnt ein zweiter Blick. Auf welche Sätze reagieren Menschen, welche übergehen alle? Was dir geschrieben wird, zeigt, welche Stellen tragen. Behalte die, die Gespräche auslösen, und tausche die aus, die niemand erwähnt.
Und passe den Text an, wenn sich dein Leben ändert. Ein Profil, das von einem Umzug spricht, der längst passiert ist, oder von einem Hobby, das du aufgegeben hast, wirkt nachlässig. Ein aktueller Text ist ein stilles Zeichen dafür, dass du wirklich da bist.